Reinickendorf – hop oder top?

In Reinickendorf hatte ich ja große Hoffnungen gesetzt. Die Mieten sind für schicke Altbauwohnungen verhältnismäßig günstig und es ist, wenn auch nicht zentral, doch nicht richtig ab vom Schuss.

Die Ecken, die ich bisher im Vorbeigehen wahrgenommen hatte, wirkten ganz nett, ansonsten hatte ich keine Ahnung, was mich in Reinickendorf erwartete. Wie war dort die Stimmung? Wie setzt sich die Bevölkerung zusammen, welche Freizeitmöglichkeiten gab es, wie alltagstauglich war die Gegend?

 

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Wenn man an der S Alt-Reinickendorf aussteigt, ist erst mal alles grün. Sehr schön, auf den ersten Blick, etwas gruselig auf den zweiten, denn weit und breit ist kein Mensch zu sehen, wohin man auch schaut. Das muss man in Berlin auch erst einmal schaffen.

Dann geht man los, in Richtung Lindauer Allee. Ein paar hübsche Häuschen, ein paar Langweilige und ein Bestattungsunternehmen, mit pompös-kitschigen Särgen in samtigem Lila im Schaufenster säumen den Weg. Es ist immer noch sehr grün, aber leider so gar nicht kietzig. Keine heimeligen Plätze oder Cafés, keine in sich geschlossene Siedlung, die Zusammengehörigkeit ausstrahlt.

 

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Unterwegs in Richtung Westen machte sich immer mehr die Enttäuschung in mir breit. Es kann ja wirklich nicht alles toll sein, aber von Reinickendorf hatte ich mir irgendwie mehr erwartet. Es musste ja nicht besonders hipp sein. Aber diesen gewissen Charme durfte es schon haben.

Und siehe da! Ein Richtungswechsel brachte dann endlich das ersehnte Kiez-Gefühl, große Augen und viele tolle Ecken, die auch wunderbar als Fotomotive dienten.

 

 

Das Lettekiez hatte es mir besonders angetan. Hier war es so, wie ich mir Reinickendorf vorgestellt habe, nur ein bisschen idyllischer. Hübsch herausgeputzte einheitliche Häuserreihen, die nach einer hohen Dichte an Sozialwohnungen aussahen, viel grün und erstaunliche Ruhe, bis auf die faszinierend tief fliegenden Metallvögel, die gleich um die Ecke in Tegel von der Startbahn abhoben.

 

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Ein spannender Mix aus moderner Architektur und historischen Gebäuden macht diese Gegend besonders sehenswert. Paläste aus Glas ragen neben pastelfarbenenen, Fassaden aus einer anderen Zeit in die Höhe. Und über allem taucht immer wieder ein Flugzeug auf, das beinahe die Hausdächer zu streifen scheint.

Der Flughafen sollte längst geschlossen sein. Wie sich die Mietpreise in dieser Gegend wohl entwickeln, wenn es eines Tages tatsächlich einmal so sein sollte? Aber lassen wir das sensible Thema Flughafen.

 

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Noch ein paar Spazierminuten weiter, direkt an der Weddinger Ortsteilgrenze kommt man an den Schäfersee. Ein fast kreisrunder See, auf dem man im Sommer Tretboot fahren kann, wo Leute tiefenentspannt am Ufer in der Sonne liegen, Eis schlecken oder grillen (wobei das ziemlich sicher verboten ist).

Hier herrscht eine gewisse Urlaubsstimmung. Es ist etwas unaufgeregter, als in anderen Parks und an anderen Seen Berlins. Man kann am Schäfersee noch richtig gut die Seele baumeln lassen.

 

 

Fazit: Nach einem ersten Schreck, hat es Reinickendorf doch geschafft, mich mit dem ein oder anderen Eckchen in seinen Bann zu ziehen. Wenn Reinickendorf, dann muss es aber schon das Dreieck Reinickendorf-Pankow-Wedding sein. Hier finde ich meine heißgeliebte charmante Stimmung, mein Kiez-Gefühl, mein Urlaubs-Feeling und noch dazu die ein oder andere Traumwohnung.

Eine Antwort auf „Reinickendorf – hop oder top?

  1. Liebe Anna,
    grins, das Beerdigungdinstitut ist mein unbedingter Favorit; ich meine aus pompös-kitschigen Särgen im Schaufenster und ansonsten nichts außer langweiligem Grün, da lässt sich bestimmt eine geniale Geschichte schreiben, oder?! ,-)
    Und ja, ich muss sagen, ich habe deinen ersten Schrecken gespürt und meine und deine Erleichterung auch, als es doch „kieziger“ wird, denn genau das ist es für mich, wenn ich nach Berlin komme …
    Danke auch für diesen Spaziergang,
    Mia

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